how to trace people
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Aoife

Witty Little Knitter

I read fantasy, crime, true crime, lgbt-romance and books written by my favourite comedians. List not necessarily complete.
Sometimes I write for Bibliodaze

Currently reading

Stephen and Matilda
Jim Bradbury
Progress: 52/262 pages
Krieg und Frieden
Michael Grusemann, Leo Tolstoy
Progress: 579/1024 pages
Tod im Augustinerhof - Dirk Kruse “Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht damit man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat.”Johan Wolfgang von GoetheDer Autor von Tod im Augustinerhof weiß sicher einiges. So arbeitet er zum Beispiel beim BR und kennt deswegen die Hörerstatistiken der verschiedenen bayrischen Radiosender und weiß auch genau wie es in einer Nachrichtenreaktion läuft. Falls ich je den Gedanken gehegt hätte Radiomoderatorn zu werden, wäre das sicher interessant gewesen. (Wobei ich, wenn ich den tatsächlich diesen Berufswunsch gehabt hätte ich mich anderweitig informiert hätte und nicht in einem Nürnberger Lokalkrimi nach Informationen gesucht hätte). Da ich aber weiß dass ich als Moderatorin gänzlich ungeeignet wäre, fand ich diese seitenlangen Exkursionen eher einschläfernd. In Nürnberg (besonders in den diversen Kneipen) und mit der Nürnberger Stadtgeschichte kennt er sich auch recht gut aus, aber im Gegensatz zur BR-Werbung und auch verglichen mit so manchen Stadtexkursionen in anderen Lokalkrimis wird das schon fast unaufdringlich vermittelt.Der Kriminalfall an sich ist zumindest das was man wohl als solide bezeichnet, nicht überragend aber ich habe schon schlimmeres gelesen (viel schlimmeres) und wenn die Figuren sympathischer und der Schreibstil nicht so schrecklich holprig gewesen wäre. Ich hatte nicht das Gefühl einen zusammenhängenden Text zu lesen, sondern einen Satz nach dem anderen, in dem beschrieben wird was die Figuen tun oder wie die Umgebung aussieht. So kam auch nie wirklich Spannung auf.Dann konnte ich auch nie mit den beiden Hauptfiguren warm werden und die Liebesgeschichte zwischen den beiden nahm einfach viel zu viel Platz ein. Nicht das es mich stört, wenn Ermittler auch ein Privatleben haben, eher im Gegenteil, aber von den 330 Seiten ging es in bestimmt gut 70-80 nur darum wie Frank und Anna an den anderen denken, wie sie Zeit miteinander verbringen, wie sie miteinander schlafen, wie sie miteinander telefonieren, ohne das dabei je der Fall vorangetrieben wurde. Das ist einfach zu viel (und leider nicht die einzigen unnötigen Informationen, ich bin der Ansicht, dass die neuen Schuhe der Hauptfigur nicht mehr als einmal erwähnt werden sollten). Es hilft auch nicht, dass Frank Beaufort im großen und ganzen sehr unsympathisch daherkommt. Er nimmt sich viel zu viel heraus und ist überzeugt, dass sein Charme ihn schon wieder rettet (was er ja leider auch tut...aber als Leser hab ich mir bald gewünscht, dass er mal so richtig auf die Schnauze fliegt), dazu kommt noch, dass man den Verdacht nicht abschütteln kann, dass Beauforts Ansichten, z.B. was die bösen 'Sprachpanscher' angeht, exakt die des Autors sind. Das macht es auch recht witzlos, dass der Autor gegen Ende noch einen Cameo-Auftritt in seinem eigenen Buch hat (und erklärt, dass man das ganze doch bitte als “fränkischen Lord Peter Wimsey” verstehen sollte...Dorothy Sayers rotiert gerade im Grab). Er ist ja sowiso dauernd da und erläutert seine Meinung zu alles und jedem.Bei den Nebenfiguren wirkt die Charakterisierung auch gelegentlich etwas schlampig, besonders bei Ekki, Beauforts Freund, der Richter und Justizpressesprecher ist. Zu Beginn wirkt er wie ein wirklich vernünftiger Mensch, der sicher keine voreiligen Schlüsse zieht, dann wird ein Verdächtiger verhaftet, gegen den keine handfesten Beweise vorlegen, nur (zugegebenermaßen recht belastende) Indizien. Sofort beschließt er, dass es dieser Verdächtige getan haben muss, und mag gar nicht einsehen, dass es vielleicht ein anderer getan haben könnte (so kann Beaufort alleine weiterermitteln weil die Polizei ja zu doof ist). Schlimmer noch: auf die Frage welche Beweise denn gegen ihn vorlegen erklärt er, dass der Verdächtige kein Alibi hat. Ein studierter Jurist sollte doch eigentlich Wissen, dass sowas ein Indiz ist und kein Beweis.Zu guter letzt muss ich noch sagen, dass der Autor etwas recht beeindruckendes fertiggebracht hat: Ich als jemand der nun wirlich kein Fan der BILD ist und als recht militante Nichtraucherin war extrem genervt davon, wie der Autor exakt die gleichen Ansichten vertreten hat. Anne erklärt, dass sie ja von einem seriösen Sender kommt und nicht von der BILD (weswegen sie auch, nachdem sie eine Leiche gefunden hat, erst diesen seriösen Sender anruft und dann die Polizei), überhaupt sämtliche Figuren erklären ständig wie schrecklich diese Zeitung ist, ein recht unsympathischer und besserwisserischer Nebencharakter liest sie natürlich. Genauso mit dem Rauchen: Beaufort beschwert sich nachdem er in einem Café einen Kaffee getrunken hat, dass seine Kleidung gar schrecklich nach Rauch stimmt. Dieses Problem hatte ich eigentlich immer nur nach einem ganzen Abend in unserem sehr verqualmten und kleinen Irish Pub, aber maximal einer halben Stunde an einem Ort, an dem sowiso nur ein paar Leute rauchen rechtfertigt kein halbseitiges Gejammer.