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Aoife

Witty Little Knitter

I read fantasy, crime, true crime, lgbt-romance and books written by my favourite comedians. List not necessarily complete.
Sometimes I write for Bibliodaze

Currently reading

Stephen and Matilda
Jim Bradbury
Progress: 52/262 pages
Krieg und Frieden
Michael Grusemann, Leo Tolstoy
Progress: 579/1024 pages
Bluthunde - Martin Baresch, Norbert Ehry

Das ist mal wieder die Roman-Adaption einer Folge die ich noch gar nicht gesehen habe also weiß ich nicht wie genau sie sich an die Vorlage hält.
Die Story an sich ist - nun ja - 90er Jahre Tatort halt. Es wurde extratief in die Klischeekiste und 'vermurkste Eltern-Kind-Beziehung-stereotypen'-Kiste gegriffen und das ganze mit Melodrama garniert aber irgendwo darunter verborgen ist sogar ein recht guter Kommentar über die Sensationslust der Medien.
Für die Geschichte kann man also durchaus solide drei Sterne geben.

Aber.
Der Schreibstil. OH GOTT der Schreibstil
Der Autor muss das das Buch als Anlass gesehen haben ENDLICH mal seine unglaublichen literarischen Ambitionen zu DEMONSTRIEREN. Die zeigen sich in ellenlangen inneren MONOLOGEN, Missbrauch der Capslock-Taste und sehr sehr viel Kursiv-Schrift. Gelegentlich auch eine Kombination aus BEIDEM.

Ich persönlich hab schon nach einem Absatz Kopfschmerzen...eigentlich sollte ich nur dafür dass er das 200 Seiten lang durchgehalten hat Sterne geben.

Was die ausführliche Beschreibung der Gedankengänge angeht scheint es ihm besonders Franz angetan zu haben...oder ein Alien in der Gestalt von Franz Leitmayr der hauptsächlich sich selbst bemitleidet und der denkt

mit einer ganz eigenartigen, traurigen Jungenstimme; einer Stimme, wie er sie vielleicht vor dem Stimmbruch gehabt hatte




(Murot hält das auch für Schwachsinn)

und der außerdem plötzlich seine Kollegen nicht mehr ausstehen kann und sich im Stillen dauernd über Carlo und Ivo aufregt. Andererseits philosophiert er auch zwei Seiten lang über Ivos schwere Kindheit. Aus...Gründen halt. Plottechnisch hatte es keinen Sinn und er spricht es auch nie an.

Aber nicht nur Franz hat schwachsoinnige Gedanken. Wir kriegen auch 10 Seiten 'Gedanken einer Frau vor ihrem Bungee-Spring' (das der tatsächlich daneben geht ist irrelevant...das weiß sie ja vorher noch nicht). Und die sehen so aus:

Die Stahlseile spannten sich mit einem ganz und gar unmöglichen, rostigen Knirschen, die Plattform unter ihr ruckte und schwankte und hob sich - es war, als würden sie in den blauen Himmel hinaufgeschleudert werden.
Gedanken, die nicht ihre waren, plapperten zunehmend hysterisch Paul celans Todesfuge herunter - wieder und wieder: Wir schaufeln ein Grab in den Lüften - da liegt man nicht eng.



Zumindest gibt sie einen Absatz später dann zu, dass dieser Vergleich etwas unangebracht ist. Ich möchte trotzdem Max Ballauf sagen lassen was ich davon halte:


Später werden dann zwar keine Gedichte über den Holocaust mehr zitiert aber es wird auch nicht viel besser. Die Charaktere denken allesamt unglaublich theatralisch und man möchte sich nur fremdschämen.

Einen gewissen Unterhaltungswert hat es trotzdem und ich bin fast versucht den Stern den ich für den Stil abgezogen habe dafür wieder zu geben aber dafür war es stellenweise einfach zu grauenvoll.

Hier ist ein gif von Berti Vogts mit einem Kaninchen:

Nur unterhaltsam und gar nicht grauenvoll.