how to trace people
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Aoife

Witty Little Knitter

I read fantasy, crime, true crime, lgbt-romance and books written by my favourite comedians. List not necessarily complete.
Sometimes I write for Bibliodaze

Currently reading

Stephen and Matilda
Jim Bradbury
Progress: 52/262 pages
Krieg und Frieden
Michael Grusemann, Leo Tolstoy
Progress: 579/1024 pages
Kälteschlaf: Island-Krimi - Arnaldur Indriðason Nachdem ich von 'Engelsstimme' nicht ganz so begeistert war (und ich überhaupt zu viel Serien lese um den Überblick über alle zu behalten), hatte ich ich schon länger keinen Erlendur-Roman mehr gelesen, aber nachdem ich in einer Buchhandlung über 'Kälteschlaf' gestolpert bin, konnte ich einfach nicht widerstehen. Ach Erlendur, irgendwie hatte ich dich vermisst...auch wenn Wallander gegen dich wie ein Ausbunf an jugendlicher Lebensfreude wirkt.Kälteschlaf beginnt wie so viele andere Krimis: Eine Frau wird erhängt aufgefunden. Auf den ersten Blick sieht es wie Selbstmord aus. auch auf den zweiten und auf den nach-Obduktions-Blick.Aber hier unterscheidet sich von anderen Krimis: Erlendur zweifelt nicht daran, und selbst eine Freundin des Opfers, die zu ihm kommt und darauf besteht, dass sich Maria nicht einfach so umbringen würde, ändert er seine Meinung nicht. Aber ann beginnt er sich doch zu wundern - nicht ob es tatsächlich Selbstmord war, sondern was sie dazu getrieben hat. Und weil die Isländer Kripo anscheinend unterbeschäftigt ist, beginnt er in der Umgebung der Toten Fragen zu stellen.Wie schon in 'Todeshauch' gibt es einen weiteren Erzählstrang, lose eingestreute Szenen aus Marias Leben, von der Beerdigung ihrer Mutter bis zu ihrem Tod. Es sind wesentlich weniger als in Todeshauch, aber sie sind genauso wichtig.Paralell zu Marias Selbstmord untersucht Erlendur einen weiteren Fall, er beginnt auch einen fast 20 Jahre zurückliegenden Vermisstenfall wieder zu untersuchen. Damals ist eine junger Mann spurlos verschwunden, und da es einer von Erlendurs ersten Fällen war, ist er damals mit der Familie in Kontakt geblieben. Die Mutter ist schon vor einigen Jahren gestorben und jetzt erfährt Erlendur, dass auch der Vater nicht mehr lange zu leben hat, für ihn ein Grund es zumindest noch einmal zu versuchen.Natürlich wäre das ganze kein richtiger Krimi, wenn der Ermittler keine privaten Probleme hätte, und auch wenn sich für Erlendur inzwischen einiges gebessert hat (der Sohn ist inzwischen trocken, und die Tochter clean) gibt es immer noch genug. So hat sich Eva Lind in den Kopf gesetzt, ihre Eltern, die seit über 20 Jahren kein Wort mehr miteinander gesprochen haben, dazu zu bringen, sich wieder miteinander zu unterhalten, und so liegt sie Erlendur dauernd in den Ohren, er möge sich doch zumindest noch einmal mit seiner Ex-Frau treffen.Zusätzlich lässt ihn der alte Vermisstenfall auch wieder an seinen Bruder denken, der in einem Schneesturm verschollen ist und dessen Leiche nie gefunden wurde.Beides nimmt einiges an Platz ein, aber im Gegensatz zu so vielen anderen Krimi-Ermittlern, erscheinen mir Erlendurs Probleme nie aufdringlich, sie gehören einfach zum Charakter und machen ihn vollständig.Im letzten Teil stellt sich dann auch heraus, dass einer der Fälle mit einem Verbrechen zusammenhängt, aber es ist nicht das wichtigste im Buch. Es geht auch darum was Familiengeheimnisse und Verschwiegenheit anrichten können. Sowas muss einen nicht begeistern, aber ich war es definitiv.Trotzdem noch zwei kleine Kritikpunkte:Niemand scheint es zu stören, dass Erlendur während seiner Dienstzeit einen 20 Jahre zurückligenden Vermisstenfall und einen eindeutigen Selbstmord untersucht. Seine Kollegen machen ein paar Bemerkungen, aber niemand macht ihm ernsthaft Schwierigkeiten (andererseits hat schon fast jeder Krimi-Ermittler einen Fall in dem er sich so verhalten hat, dass er eigentlich degradiert oder sogar entlassen werden müsste, da verzeiht man Erlendur auch das).Außerdem wirkt Erlendur etwas sprunghaft und scheint recht ziellos zwischen den Fällen und seinem Privatleben hin und herzuwechseln, in einer Szene trifft er sich mit seiner Ex-Frau, in der nächsten mit einer Verwandten der Toten und dann mit dem Bruder des Vermissten. Jedes mal ohne "Vorwarnung", fast so als hätte er einfach Lose gezogen um zu entscheiden wohin er als nächstes geht.Beides hat das Lesevergnügen aber nicht wirklich getrübt und mich hat das Buch wirklich begeistert.Für Einsteiger ist Erlendurs 8. Fall aber nicht wirklich zu gebrauchen, zu viel aus seinem Privatleben wird als bekannt vorausgesetzt.