how to trace people
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Aoife

Witty Little Knitter

I read fantasy, crime, true crime, lgbt-romance and books written by my favourite comedians. List not necessarily complete.
Sometimes I write for Bibliodaze

Currently reading

Stephen and Matilda
Jim Bradbury
Progress: 52/262 pages
Krieg und Frieden
Michael Grusemann, Leo Tolstoy
Progress: 579/1024 pages
Bauernfänger - Joachim Rangnick Robert Walcher ist ein sehr sympathischer Charakter. Die Beschreibung seines Hauses auf den ersten Seiten, dass der Hauptgrund für den Kauf der große Vorratskeller war und auch sein Verhältnis zu der Besitzerin des Tante-Emma-Ladens im Dorf hat ihn mich ganz schnell ins Herz schließen lassen. Die Authentizität der Allgäu-Beschreibungen kann ich als nicht-Allgäuerin schlecht beurteilen, die Beschreibungen des Lebens in einem kleinen Dorf schon. Auch diese sind wunderschön gelungen: die Tratschtanten, die bevor sie die neusten Informationen über eine bestimmte Person preisgeben erst mal die gesamte Familiengeschichte von ihm und seiner Verwandten erläutern, der Stammtisch oder wie Walcher als „Zugroaster“ von den Einheimischen behandelt wird. All das wird wunderschön treffend und mit einem kleinen Augenzwinkern erzählt.Während also die Rahmenhandlung wirklich schön ist, lässt sich das leider nicht über die Krimihandlung sagen. Die ist nämlich so an den Haaren herbeigezogen, dass ich mehr als einmal dachte, dass das der Autor doch unmöglich ernst meinen kann. Es geht um eine riesige Verschwörung von schon fast Dan Brown'schen Ausmaßen. Nein, die katholische Kirche ist nicht darin verwickelt – wir sind ja im Allgäu – aber es geht um eine Firma, der nicht nur im übertragenen Sinn, die halbe Welt gehört. Dieser Firma ist es gelungen schon mehr als drei Jahrzehnte im Verborgenen zu bleiben, obwohl bei solchen Ausmaßen schon allein des Verwaltungsaufwands wegen eine große Zahl von Leuten ganz oder zumindest teilweise eingeweiht sein muss. In all den Jahren in denen diese Firma – oder Company wie sie im Buch meistens genannt wird – hat keiner dieser Personen auch nur versehentlich mal gegenüber Uneingeweihten zu viel gesagt, kein unzufriedener Ex-Mitarbeiter hat einen wütenden Enthüllungsbericht geschrieben und kein Verschwörungstheoretiker war verrückt genug um seine Vermutungen anzustellen. Kurzum: es gibt nicht einmal Gerüchte über die Company. Ihr ist es gelungen eine unglaublich lange Zeit komplett im Verborgenen zu agieren. So etwas strapaziert meine Gutgläubigkeit doch etwas zu sehr, besonders wenn es dann Walcher gelingt all das fast eigenhändig aufzudecken.Außerdem unangenehm aufgefallen ist mir die hohe Anzahl der Leichen in dem Buch, besonders da fast die Hälfte nicht einmal Plot-relevant war. Der einzige Zweck schien gewesen zu sein, dass gezeigt wird wie absolut skrupellos und psychopathisch der Profikiller ist. Dafür hätten meiner Meinung nach auch die Hälfte der Leichen gereicht, die tatsächlich relevant waren. Gegen Ende hat das bei mir das dann sogar etwas ganz anderes bewirkt: bei einer der letzten Leichen war mein erste Gedanke „Nicht schon wieder, das wird langweilig.“ Das ganze hat dann bei mir ein wenig einen bitteren Beigeschmack hinterlassen, als ob man ein Buch allein dadurch packender machen könnte, indem man möglichst viele Tote darin verteilt.Zu guter Letzt: Im Buch bin ich über eine Handvoll Formulierungen gestolpert, die zwar nicht unbedingt falsch, aber einfach unschön waren, z.B. zweimal 'aber' kurz hintereinander im gleichen Satz. Das hat einfach meinen Lesefluss gestört, genauso die Tatsache, dass der Autor den Unterschied zwischen Dialekt und Akzent nicht zu kennen scheint. Zweimal wird geschrieben, dass eine Person Deutsch mit russischem (bzw. englischen) Dialekt spricht. Da weint mein Linguistenherz.Ich habe ein wenig mit mir gerungen, ob das ganze jetzt zwei oder doch noch drei Sterne sind. Eigentlich wären es für mich persönlich nur zwei, aber ich kann auch mit besser geschriebenen Verschwörungstheorien nur wenig anfangen also möchte ich das Buch nicht nur deswegen so schlecht beurteilen. Abgesehen davon finde ich, dass durchaus hinter all dem mögliches Potential steckt. Ich möchte nicht ausschließen, dass, falls sich der Autor an einem klassischen Krimi versucht, es zu einem besseren Ergebnis führt.