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Aoife

Witty Little Knitter

I read fantasy, crime, true crime, lgbt-romance and books written by my favourite comedians. List not necessarily complete.
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Michael Grusemann, Leo Tolstoy
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Review: Das Erlkönig Manöver

Das Erlkönig-Manöver - Robert Löhr

Goethe und Schiller gehen in eine Kneipe und diskutieren über die Evolution. Das ist nicht der Beginn eines sehr dämlichen Witzes sondern dieses Buches. Wobei der Unterschied zwischen beidem sowieso fließend ist. Ohne Frage sind dem Buch alberne Witze, Wortspiele und Anspielungen um einiges wichtiger als der Plot.

Möglichkeiten für Anspielungen gibt es natürlich reichlich wenn die Protagonisten Goethe, Schiller, Kleist, Alexander Humboldt, Achim von Arnim und Bettina noch-Brentano sind. Da wird fröhlich aus ihren Werken zitiert („Heinrich mir graut vor dir!“) und selbst das eine oder andere Ereignis auf der Reise der Gefährten wird manchem Kenner deutscher Literatur bekannt vorkommen.

Nein, für den Plot liest man das Buch wirklich nicht. Recht unterhaltsam ist er schon (zumindest für Freunde von Explosionen, Schießereien und Prügeleien) aber für fast 400 Seiten würde er alleine nicht tragen. Das tun, neben den schon erwähnten Anspielungen die die Herzen von Literaturfreunden* höherschlagen lassen, auch die wundervoll ausgearbeiteten Interaktionen zwischen den Protagonisten. Natürlich werden die auch oft so komisch wie möglich dargestellt (besonders Kleists Neigung dazu erst schießen und dann Fragen stellen zu wollen) aber wenn es mal ernster wird (zwischen Goethe und Schiller, Bettina und Achim oder Kleist und Humboldt), wird nicht krampfhaft versucht da noch ein Witz unterzubringen, der die Atmosphäre zerstören würde. So gibt es auch zwischen all den Witzen einige recht bewegende Szenen (gut...die Streitereien zwischen Bettina und Achim wären vielleicht bewegender gewesen wenn man nicht schon aus dem Deutschunterricht und/oder dem 5 DM-Schein wüsste, dass die beiden am Ende doch heiraten).

Zum Ende hin helfen dann aber noch so viele literarische Anspielung und schöne freundschaftliche Szenen zwischen den Protagonisten nicht: es zieht sich ein wenig...zu einem Schluss hin, der erstaunlich düster für ein Buch ist, das sich nicht zu schade war Witze über 'Mainz 05' und Wirtshäuser im Spessart zu machen.

Gefallen hat es mir trotz allem sehr aber ob ich es mit dem zweiten Band versuche weiß ich noch nicht. Wie erwähnt habe ich neben dem Humor auch die Protagonisten und ihre Interaktionen miteinander sehr geschätzt und im 'Das Hamlet-Komplott' werden aus den verschiedensten Gründen nur einen kleinen Teil der Besetzung von 'Das Erlkönig Manöver' wiedersehen. Ob die alleine den Roman tragen können ist doch fraglich.

 

*mit Humor...