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Review: Habsburgs Schwarze Schafe

Habsburgs Schwarze Schafe - Christian Dickinger

Die Auswahl der „schwarzen Schafe“ ist schon einmal interessant. Zum einen werden nur Personen aus den letzten knapp 100 Jahren der Regierungszeit der Habsburger beschrieben. Davor gab es wohl keine „Sonderlinge, Rebellen und Wahnsinnige“. Zum anderen stellt sich die Frage was der Autor eigentlich unter einem „schwarzen Schaf“ versteht. Natürlich gibt es da die Klassiker: Kronprinz Rudolf mit seinen politischen Einstellungen und unglücklichem Ende, ein paar Erzherzöge die nicht standesgemäß geheiratet haben, einen anderen mit Vorliebe für Frauenkleider usw. Genauso ist aber Franz-Josef im Buch vertreten und der war aus Sicht der Habsburger sicher kein schwarzes Schaf, nur aus Sicht Außenstehender lässt sich so einiges an ihm finden was alles andere als begeistert. Auch finden sich in dem Buch nur gebürtige Habsburger...und Kaiserin Elisabeth.

Trotzdem muss man dem Autor hoch anrechnen, dass er die Beschriebenen nicht vorführt. Gleich zu Beginn wird klargestellt, dass Generationen von Inzucht, die bei den Habsburgern (wie bei allen anderen europäischen Königshäusern auch) üblich waren selten zu Gutem führt. Das in Kombination mit sehr archaischen Erziehungsmethoden die sich seit Gründung des Hauses kaum geändert zu haben scheinen bringt nun mal selten gesunde und psychisch ausgeglichene Menschen hervor. Und während das Buch durchaus amüsant geschrieben ist gleitet es nie ins Bösartige ab.

Leider aber gelegentlich ins Langweilige. Es scheint fast als ob der Autor dachte ein Buch nur über exzentrische Habsburger allein wäre nicht seriös genug, weswegen er sich verpflichtet gefühlt hat noch viel zu viel historischen Kontext unterzubringen. Bis zu einem gewissen Grad ist der sicher notwendig aber manche Kapitel enthalten mehr Informationen über die politischen Umstände zur Zeit der beschriebenen Person als Anekdoten über sie. Dazu kommt, dass das Buch ein gewisses Grundwissen über die österreichische Geschichte voraussetzt, was schnell verwirrend werden kann für Leser die darin wenig bewandert sind...nicht-Österreicher zum Beispiel. Da liegt die Schuld natürlich nicht unbedingt beim Autor, ein Deutscher würde in seinen Büchern auch kaum Dinge wiederkauen wenn er weiß, dass das Thema im Schulunterricht ausführlich behandelt wird. Das ändert aber nichts daran, dass ich recht dankbar dafür war, dass ich dank einem Radetzkimarsch-Hörspiel zumindest schon mal von Solferino und Königgrätz gehört hatte.

 

Alles in allem bleibt man mit dem Gefühl zurück, dass das Buch nicht wirklich hält was es verspricht. Manche Kapitel wirken ein bisschen zu lieblos zusammengewürfelt, z.B. erfährt man in dem über Ludwig-Viktor mehr über die Ansichten über Homosexuelle im Allgemeinen als über ihn. Das Kapitel über Erzherzog Otto verspricht etwas über „eines der schwärzesten Schafe Habsburgs“ zu erzählen. Was man dann erfährt ist, dass er viel getrunken und sich im Suff wohl durchaus auch unangemessen verhalten hat und die Nächte selten im eigenen Ehebett verbracht hat. Nicht gerade shocking.